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Für gelebte Demokratie und bunte Vielfalt

Bericht „Zusammenhalt stärken in Norderstedt. Solidarität, Integration, Demokratie“

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus fand am 24.03.2026 im Rathaus die Veranstaltung „Zusammenhalt stärken in Norderstedt. Solidarität, Integration, Demokratie“ statt.
Sie wurde von den Migrationsberatungen von AWO, Caritas, Diakonie und dem Internationalen Bund (JMD, AVB und Programm „Respekt Coaches“) in Kooperation mit der Stabstelle Integration und Asyl der Stadt Norderstedt organisiert.
Ziel war ein offener Austausch zwischen Politik, Verwaltung, sozialen Trägern, Zivilgesellschaft sowie interessierten Bürger*innen wie der gesellschaftliche Zusammenhalt in Norderstedt gestärkt werden kann um ein friedliches und demokratisches Miteinander zu fördern und darüber, welche Bedeutung dabei der Arbeit der Migrationsberatungen sowie Demokratieförderprogramme wie das Programm „Respekt Coaches“ zukommt.

Wir als Bündnis „Norderstedt ist weltoffen“ waren mit einem Stand beim „Gallery Walk“ vertreten und mit weiteren Initiativen und Organisationen, die sich um den Zusammenhalt in Norderstedt bemühen, präsent.

Nach einem Grußwort der Oberbürgermeisterin Schmieder und einer musikalischen Eröffnung durch einen Kinderchor und den Pianisten Karim, hielt Professor Nabers von der CAU Kiel den etwas improvisierten Impulsvortrag. Neben persönlichen Einblicken in seine innerfamiliäre „Interkulturalität“ und dortigen Differenzen bei Rassismuserfahrungen umkreiste Nabers v.a. zwei Punkte.
Zum einen die Kontingenz von Nationalität, also die Zufälligkeit und Interessegeleitetheit von Identitätskonstruktionen.
Zum anderen auch eine Kritik am titelgebenden Begriff der „Integration“ selbst. Dieser impliziere eine Mehrheitsgesellschaft, die legitim den Anspruch erheben könne, dass alles „Neue“ und „Fremde“ in sie hineingearbeitet werden. Was tatsächlich passiere, sei jedoch Begegnung und diese bedürfe Veränderungsbereitschaft und Veränderungsfähigkeit auf allen Seiten.
Auf den Vortrag folgte eine Podiumsdiskussion, moderiert von Prof. Nabers. Auf dem Podium saßen Repräsentant*innen der in den letzten Jahren nach Norderstedt migrierten Menschen, konkret aus Afghanistan und der Ukraine.
Außerdem die in Kamerun aufgewachsene zweite Integrationsbeauftragte Vivette Tchuissang Tchiwe. Sie berichteten von ihren sehr verschiedenen Ankommensprozessen in Deutschland und speziell in Norderstedt, was ihnen hier geholfen hat, was sie als sperrig erlebt haben. Schwierig waren v.a. Wohnungssuche, Hausarztsuche, aufenthaltsrechtliche Auseinandersetzungen und Alltagsrassismus. Positiv wurde von einer gelebten Willkommenskultur berichtet und von vielen Initiativen, Stellen und Akteur*innen. Außerdem auf dem Podium vertreten waren Pastor Lorenz von der Emmausgemeinde und Stadtpräsidentin Müller-Schönemann. Lorenz sprach ein irritierendes Lob an Norderstedt aus als Stadt ohne „Extremist*innen“ (1) und Frau Müller-Schönemann berichtete Anekdotisches.

Der Anteil Stadtmarketing war dann von offizieller Seite einigen Podiumsteilnehmenden an diesem Abend auch recht hoch. Nicht alle waren so „geflasht“, weshalb aus dem Kreis der Zuhörer*innen eine Wortmeldung kam, die ein „Kaffee- & Keks-Engagement“ kritisierte. An Abenden wie heute sei dies einfach, aber auf antirassistischen und antifaschistischen Protesten vor Ort würden noch zu viele fehlen.

Anschließend gab es Musik von den ukrainischen Musiker*innen Yana Yanochkina und Zhan Yanochkin. Darauf folgte Zeit zum Austausch auf dem „Gallery Walk“ und beim Besichtigen der Ausstellungen „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ (noch bis zum 10.04.2026) und „Rassismus in der Verwaltung – (k)ein Problem?“.

Insgesamt war es eine ermutigende Veranstaltung, die Willkommenskultur sichtbar und Vernetzung ermöglicht hat. Bei aller Betonung auf das Gelingende fehlte uns am Ende der Mut zu mehr Eingeständnissen von Lücken und Schwachstellen. Hier wäre der Ort gewesen, gemeinsam zu klären, was in der Stadt noch fehlt, besser werden muss, um eine weltoffene Stadt für alle zu sein. Für alle die hier sind und alle die dazukommen. Wir nehmen das als Anstoß mit für unsere eigene Praxis und kommende Interventionen und danken den Veranstalter*innen und Organisator*innen für den Abend!

(1) Vgl. http://www.abendblatt.de/schleswig-holstein/Norderstedt/article411563714/erschreckend-reichskriegsflagge-hakenkreuze-und-nazi-sticker-mitten-in-norderstedt.html , zuletzt angerufen am 05.04.2026